Tipps&Tricks

Wenn buntes Garn macht was es will

Wilde, bunt gefärbte Garne sind inzwischen immer bliebter geworden. Ob gesprenkelt, selbststreifend oder mehrfarbig, jeder Strang ist ein absolutes Unikat und das zeigt sich auch im Ergebnis. Wenngleich das Verarbeiten des Garnes wie ein Abenteuer ist, bei dem man gleichzeitig als Protragonist und Zuschauer gespannt miterlebt wie sich die Farben verteilen, so ist es doch schade, wenn die Farben domantinanter zur Geltung kommen als erwartet. Da hat man stundenlang Fair Isle, Lace oder Zöpfe gestrickt, und fragt sich am Ende: Ach du meine Güte, wo ist denn das Muster hin???

Aus diesem Grund wollen wir uns heute eine Vorstellung davon zu verschaffen, wie sich ein gefärbter Strang im Handarbeitsstück verhalten wird. So können wir zukünftig bewusst Effekte erzielen und Enttäuschungen vermeiden. Widmen wir uns jetzt erst einmal dem Grund, aus dem es überhaupt dazu kommt!

PRU / CAMPFIRE auf SOCK ist beispielhaft für eine Farbgebung, die zum Pooing neigt

Wie entsteht Pooling?

Je nach Farbgebung wird das Garn beim Verarbeiten eine bestimmte Anzahl von Maschen pro Farbe generieren. Im Verlaufe des Gebrauchs, reihen sich die Farben aneinander und verschieben sich, abhängig von Maschenanzahl, Fadenspannung und Nadelgröße, um ein Stück, sodass sich die Farbabschnitte entweder versetzt wiederholen oder aufeinandertreffen. Je nachdem wie gleichmäßig das passiert, entstehen entweder Streifen oder Pooling, also eine Bündelung gleichfarbiger Maschen.

Als Beispiel habe ich euch den Teil meines Tuchs Vertices Unite fotografiert, bei dem alle beschriebenen Effekte Aufgetreten sind. Ich habe dafür die Fäbrbung „CAMPFIRE“ benutzt. Sie hat einen großen Anteil in Schwarz und einen kleineren Anteil in Orange.

Zunächst entstand beim Stricken der kleinen Spitze ein Streifenmuster. Je mehr Maschen zugenommen wurden, desto häufiger traf Orange auf Orange und Schwarz auf Schwarz, sodass sich am Rand ein Pooling Effekt entwickelte. Erst als deutlich mehr Maschen dazu kamen, verschob sich das Muster erst wieder zu Streifen um dann bei der höchsten Maschenanzahl ein Kreuz zu generieren. Ein richtig spannender Prozess der in diesem Fall absolut willkommen war, da das flächige Design des Tuchs der Farbe genug Raum lässt um zu wirken.

Wie vermeide ich Pooling

Wenn ihr euch nun aber in eine Farbe und eine Anleitung verliebt habt, für die ihr keinen zusätzlichen Effekt durch Pooling nutzen möchtet gibt es unterschiedliche Methoden Pooling zu vermeiden oder zumindest deutlich abzuschwächen.

Eine Maßnahme ist es, ein Knäuel mittels Wollwickler so aufzuwickeln, dass ihr es sowohl von Außen als auch von Innen verbrauchen könnt. Beim Verarbeiten wechselt ihr jede zweite Reihe den Faden (von innen zu außen und andersherum), sodass sich die Farben gleichmässiger verteilen. Dies verhindert in den meisten Fällen, dass ein sehr starker Pooling Effekt entsteht.

Solltet ihr mehrere Stränge von einer Farbe haben, so arbeitet immer direkt mit mindestens zwei Strängen gleichzeitig und wechselt auch hier den Faden alle zwei Reihen. Dies hilft im Übrigen auch um mit sogenannten „Semi-Solids“, also fast einfarbigen Garnen die nur leicht changieren, ein sehr ebenmässiges Strickbild zu erhalten.

Alternativ könnt ihr natürlich auch schon beim Kauf der Wolle das Thema Pooling berücksichtigen. Die Neue PunkRock Unicorn Base namens STREUSEL ist ein smarter Helfer, da in dem zweifädigen Garn auch schwarze Fasern eingearbeitet sind, die wie ein Störfilter funktionieren: Die kleinen schwarzen Fasern geben dem Garn seinen Namen: Sie wirken wie Streusel, die mögliches Pooling visuell deutlich kaschieren da sie ein sich gleichmäßig wiederholendes „Grundrauschen“ verursachen.

Strickbild von PRU / STREUSEL in den Farben RISE und SHINE : Man sieht deutlich, dass die eingestreuten schwarzen Fasern des Garns die Farbflächen aufbrechen und möglichen Pooling abschwächen

Wie man Pooling plant und bewusst einsetzt

Zum Glück gibt es inzwischen allerhand Online Tools um die Arbeit zu erleichtern. In diesem Falle möchte ich euch den Generator von plannedpooling.com empfehlen.

Um Ihn zu benutzen braucht es ein kleines bisschen Vorarbeit, denn wir müssen zunächst den den Rapport der Farben/Maschen Herausfinden. Dazu suchst du zunächst den Start und das Ende des Farb-Rapports. Dann nimmst du so viele Maschen auf eine Nadel auf, bis dieser Abschnitt des Fadens komplett verstrickt ist, sodass du die einzelnen Maschen pro Farbabschnitt abzählen kannst. ACHTUNG: Hier ist es wichtig, dass du auch die Nadelstärke verwendest, die du im späteren Strickstück nutzen möchtest und dass du gleichmäßig strickst.

Jetzt gebe deine Maschenzahl pro Farbe in den Generator ein.

Ich habe mal beispielhaft 4 orangene, 20 schwarze und 3 Creme farbene Maschen eingetragen und mir anzeigen lassen, welches Ergebnis bei 30, 60 und 120 Maschen zu erwarten wäre.

Wahnsinn, wie unterschiedlich ein einzelner Strang eingesetzt werden kann, oder?

Wenn du auf die Kästchen oberhalb der Farben klickst, kannst du auch experimentieren wie das ganze aussehen wird, wenn du 5 bzw. 1 Maschen weniger oder mehr anschlagen wirst. Wichtig ist hierbei auch, ob du in Runden oder flach stricken wirst, also klicke das entsprechende Kästchen bei Type of Knitting an (flat für flach, circular für Runden)!

Wenn dir die Muster noch nicht gefallen, kannst du auch mit unterschiedliche Nadelstärken experimentieren um zu sehen, mit welchem Ergebnis zu rechen ist.

Ja, da ist einige Vorarbeit nötig und auch ich gehöre, ehrlicherweise, zum Team „no-Swatch“ aber (und das hier ist ein sehr fettes ABER) handgefärbtes Garn ist ja nun nicht wirklich günstig und gerade bei größeren Projekten, die viel Material und Zeit verschlingen sind ein bisschen Vorbereitung sicher besser als am Ende dem Ribbelmonster zu begegnen!

Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir Spaß gemacht und einen neuen Grund gegeben gleich mal im Stash zu wühlen:)

Strick Strick Hurrah!
Dea

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